IDENTITÄT: WAS BLEIBT, WENN DU AUFHÖRST, DICH BEWEISEN ZU WOLLEN
- styleskoch
- 2. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Wir sprechen oft über Identität, als wäre sie etwas, das wir finden müssen. Als läge sie irgendwo verborgen und warte darauf, von uns entdeckt zu werden.
Das stimmt insofern, als sie tatsächlich oft unter einem Deckmantel von selbstauferlegten Masken, Illusionen und Vorstellungen liegt. Nur ist dieses Versteck nicht irgendwo im Aussen zu finden, sondern nur tief in uns.
Nur wenn wir diese Masken, das, was wir über uns glauben und von dem wir denken, dass andere es von uns erwarten, Schicht für Schicht abtragen, dringen wir zu diesem Kern, unserer wahren Identität, vor. Zu dem, was schon immer da war, und dem, was übrig bleibt, wenn alles Äussere wegfällt.
Nur, wozu soll das gut sein?

Unsere wahre Identität ist das sicherste Gut, das wir besitzen. Sie wurde uns von Geburt an mitgegeben – wie ein Chip, der in uns eingebaut ist. Sie trägt die Daten, die uns ausmachen: unsere Persönlichkeit, unsere Werte, unsere Begabungen und unseren Purpose. Und sie blitzt dann durch, wenn wir unbeobachtet und ganz bei uns sind. Wenn wir frei von den Augen und Bewertungen anderer und ganz mit uns selbst sind.
Wer sind wir dann?
Dann sind wir das, was wir in diesen Momenten wählen: die Kleidung, in der wir uns am wohlsten fühlen, die Nahrung, die wir Soul Food nennen, die Musik, die uns trägt, die Beschäftigung, der wir nachgehen, die Ecke in der Wohnung, die wir nur für uns selbst gestaltet haben.
Diese tiefen Momente der Klarheit darüber, was uns und unserem System guttut, sind die Grundmauern unserer Identität. Das, was sich für uns stimmig anfühlt, was uns in unserer Haut wohl fühlen lässt, was uns ein Gefühl der Ruhe gibt.
Identität ist das, was wir leben, wenn wir niemandem etwas beweisen müssen.
Denn Identität entsteht nicht nur durch das, was wir tun, sondern auch durch das, was wir lassen.
Durch Einladungen, die wir ablehnen. Trends, denen wir nicht folgen. Gespräche, die wir nicht mehr führen. Ein Tempo, das wir nicht mitgehen.
Jedes Nein zeichnet eine Kontur.
Jede Grenze gibt Form.
Es liegt eine stille Klarheit darin, sich nicht mehr erklären zu müssen. Das eigene Leben sprechen zu lassen.
Und was hat das nun mit Business zu tun?
Mehr als wir denken oder uns gegenüber selbst zugeben. Denn im beruflichen Kontext zeigt sich Identität besonders deutlich in den Projekten, die wir annehmen, und den Kunden, mit denen wir arbeiten wollen. In der Art, wie wir führen, verhandeln und verkaufen. In den Preisen, die wir verlangen — und in denen, die wir nicht mehr rechtfertigen.
Wer seine eigene Identität nicht kennt oder zulässt, trifft Entscheidungen aus Anpassung, aus Vergleich oder aus der Angst, nicht dazuzugehören.
Wer sie kennt, trifft sie aus Richtung.
Die eigene Identität zu gestalten bedeutet im Business nicht, jemand anderes zu werden. Keine «Persona» aufzubauen. Kein Rebranding.
Es bedeutet, Strukturen zu schaffen, die zu einem passen.
Angebote, die man wiederholen kann, ohne sich zu verbiegen. Arbeitsweisen, die Energie geben statt entziehen. Ein Tempo, das langfristig tragfähig ist.
Ein Unternehmen, eine Karriere, eine Marke — sie fühlen sich dann nicht nur gut an. Sie werden verlässlich. Lesbar. Vertrauenswürdig.
Und genau darin liegt ihre Kraft.
Denn am Ende ist Identität nicht das Bild, das du abgeben möchtest. Sondern das Leben, das du bereit bist, jeden Tag zu führen.
Und ein Leben, das sich nach dir anfühlt, muss nicht beeindrucken.
Es muss tragfähig sein.
Egal ob privat oder im Businesskontext.
Yours truly,
Julie 💕



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